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Soester Erklärung

 

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Soester Erklärung

Soester Erklärung

Die sog. Soester Erklärung ist ein zeitgeschichtliches Dokument der Zentrumsgeburt.
Sie stand ganz unter dem Einfluss des aufkeimenden Kirchen- und Kulturkampfes im Kaiserreich.
Die Garantie der Länderhoheit im Gliedstaat griff der Reichsgründung vor, die im Januar des Folgejahres vollzogen wurde.
ZENTRUM erkannte die zentrale Herausforderung der sozialen Frage- ein Gesichtspunkt immerwährender Relevanz in der deutschen Geschichte bis zum heutigen Tag.
Das ZENTRUM begründet mit der Soester Erklärung seinen Anspruch auf fortschrittsgestaltende Kraft im verreinigten Deutschland zu sein.


Das Soester Wahlprogramm der Zentrumsfraktion

W a h l p r o g r a m m
Für Wahrheit, Recht und Freiheit


1. Wir wollen: nicht nur Abwehr jedes fernern Angriffs auf die Unabhängigkeit der kirchlichen Organe, auf die Entwicklung christlicher Liebestätigkeit – sondern Wiederherstellung und erneuerte, verfassungsmäßige Sicherstellung der durch die neuere Gesetzgebung verletzten Selbstständigkeit und Rechte der römisch-katholischen - sowie der evangelischen Kirche.

2. Tatsächliche Durchführung der staatsrechtlichen Parität der anerkannten Religionsbekenntnisse.

3.
Verteidigung und Aufrechterhaltung des christlichen Charakters der Ehe.

4. Konfessionelle Schulen.

5. Für das ganze deutsche Vaterland ein Bundesstaat, der im Notwendigen die Einheit schafft, in allem übrigen aber die Unabhängigkeit und freie Selbstbestimmung der Bundesländer sowie deren verfassungsmäßigen Rechte unangetastet lässt.

6. Dezentralisation der Verwaltung auf Grundlage der Selbstständigkeit der politischen Korporationen in Gemeinde, Kreis und Provinz.

7. Möglichste Beschränkung der Staatsausgaben und damit der Steuern und Lasten sowie deren gleichmäßige und gerechte Verteilung.

8. Ausgleichung der Interessen von Kapital und Grundbesitz, sowie von Kapital und Grundbesitz einerseits und der Arbeit andererseits durch Erhaltung und Förderung eines kräftigen Mittelstandes in einem selbstständigen Bürger- und Bauernstande.

9. Freiheit für alle den gesetzlichen Boden nicht verlassenden Bemühungen zur Lösung der sozialen Aufgaben. Gesetzliche Beseitigung solcher Übelstände, welche den Arbeiter mit moralischem oder körperlichem Ruin bedrohen.

Soest, den 28.Oktober 1870